Victor Klemperer - Kommentierte Lesung seines Tagebuches
Aula im Haus 2 des Martin-Luther-Gymnasiums Frankenberg (Humboldtstraße 8, 09669 Frankenberg)
Victor Klemperer: „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“. Tagebuch 1933-1945
Kommentierte Lesung von Renatus Deckert mit einleitendem Vortrag und Nachgespräch
Wie erlebten Menschen den Holocaust? Was konnten sie wissen, sehen, hören? Das Tagebuch von Victor Klemperer beantwortet solche Fragen, die von jeder Generation neu gestellt werden.
Der von den Nationalsozialisten 1935 wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem Amt geworfene Romanistik-Professor an der Technischen Hochschule Dresden Victor Klemperer (1881-1960) wollte der Geschichtsschreiber der Katastrophe sein und Zeugnis ablegen für die Zeit danach und gilt als einer der wichtigsten Chronisten der Zeit des Nationalsozialismus. Tag für Tag hielt er im „Judenhaus“ in Dresden fest, was er beobachtete und erlebte: den täglichen Terror mit Hausdurchsuchungen, ständig neuen Verboten und Schikanen, gelegentlich auch Gesten der Solidarität.
Sein Tagebuch ist ein einzigartiges Dokument über den Alltag der Judenverfolgung mitten in einer deutschen Großstadt.
Renatus Deckert, geboren 1977, lebt als Autor und Herausgeber in Dresden. Bei Suhrkamp und im Insel-Verlag veröffentlichte er mehrere Bücher, u.a. „Das erste Buch“ und „Die Nacht, in der die Mauer fiel“.
Der Vortrag von Renatus Deckert ist die vom Aufbau Verlag autorisierte und lizenzierte Lesung aus Victor Klemperers Tagebuch. Er verbindet die Lesung mit einer ausführlichen Kommentierung der vorgetragenen Tagebuch-Stellen sowie mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.
Renatus Deckert hat bei über 350 Veranstaltungen an Schulen (Gymnasien, Berufsbildende Schulen, Oberschulen) gesprochen. Er hat viel Erfahrung damit, das Thema didaktisch und auf persönlich ansprechende, eindringliche Weise einer jüngeren Generation nahezubringen.
Die Lesung leistet einen direkten Beitrag zum Themenjahr „TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“, indem es jüdisches Leben, Geschichte und Erinnerungskultur als integralen Bestandteil der sächsischen und deutschen Gesellschaft sichtbar macht.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit den Tagebüchern Victor Klemperers wird jüdische Geschichte nicht abstrakt vermittelt, sondern als persönliche, authentische Erfahrung erfahrbar gemacht. Gleichzeitig wird der Brückenschlag in die Gegenwart vollzogen, indem aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen im Kontext von Antisemitismus und Diskriminierung reflektiert werden.
Das Projekt fördert damit den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und entspricht den Zielen des Programms, jüdisches Leben sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.